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Studien

Stand des Umweltbewußtseins in deutschen Unternehmen

(Stand: August/September 1999)

Ziel der Studie:

Nach wie vor hat die Umweltthematik in der Gesellschaft sowie in der Industrie eine große Bedeutung. In den 80er Jahren hatte die Thematik bisher ihre größte Relevanz, doch seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten sowie der einsetzenden Rezession auch innerhalb der erfolgsverwöhnten deutschen Wirtschaft stehen ökonomische und soziale Probleme im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Aus diesen Gründen ist der Diskurs um ökologische Fragestellungen Mitte der 90er Jahre etwas abgeflaut und wurde erst durch den Ausgang der letzten Bundestagswahlen und die damit verbundene Übernahme von Regierungsverantwortung durch die Partei der Grünen wiederbelebt.

Diese Entwicklungen und Meinungstrends wie auch die Tatsache, daß Deutschland weltweit als ein Vorreiter im Bereich Umweltschutz und Umweltschutztechnologien gilt, gaben Anlaß zu dieser Studie.

Erhoben werden soll durch die Studie, welchen Stellenwert der Umweltschutz in ausgewählten Branchen der Industrie im Moment einnimmt, inwiefern dieser Stellenwert auch konkret umgesetzt wird, welchen Eindruck die ersten zehn Monate (Umwelt-)Politik der neuen Regierung hinterlassen haben und welche Erwartungen die befragten Unternehmen bezüglich der Behandlung des Umweltproblems an die Zukunft stellen.

Erhebungszeitraum und -ort:

Die Befragung wurde telefonisch aus München durchgeführt und erstreckte sich über zwei Wochen vom 9. bis zum 27. August 1999. Anzumerken ist, daß sich gerade in dieser Zeit des allgemeinen "Sommerlochs" solche Befragungen leichter durchführen lassen, da die befragten Personen wesentlich mehr Zeit zur Beantwortung der Fragen hatten und sich deswegen auch generell kooperativer zeigten.

Zielgruppe:

Um die Grundgesamtheit aller Betriebe des verarbeitenden Gewerbes einzugrenzen, wurden vier aussagekräftige Branchen des produzierenden Sektors ausgewählt, aus denen jeweils kleine Unternehmen, Unternehmen des Mittelstands sowie Großunternehmen befragt wurden. Hierbei handelte es sich um die vier Branchen Chemie-/Pharma-/Biotechnologie, Papier- und Druckindustrie, Mikroelektronik/Elektrotechnik sowie Fahrzeugbau/Maschinenbau.

Die Branchen wurden aufgrund von drei relevant erscheinenden Gesichtspunkten ausgewählt: Zum einen natürlich der Grad der Branchen im Bezug auf Umweltverschmutzung, zum anderen die Zukunftsträchtigkeit der Branche und letztlich deren Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Die vier ausgewählten Branchen erfüllen diese drei Gesichtspunkte besonders gut:

  • Chemie/Pharma/Biotech als eine teilweise umweltproblematische aber auch sehr zukunftsträchtige Branche
  • Die Papier- und Druckindustrie als eine Branche mit sehr hohem Umweltbelastungsgrad
  • Die Fahrzeugbauindustrie sowie den Maschinenbau als die deutschen Schlüsselindustrien
  • Mikroelektronik/Elektrotechnik, einer Branche, der ein sehr hohes Zukunftspotential zugeschrieben wird

Studiendesign:

Grundlage der Studie bildete die Auswertung eines qualitativen und quantitativen Fragebogens. Die Datenerhebung fand wie bereits erwähnt auf telefonischem Weg statt. Abheben soll sich die hier vorliegende Studie von zahlreichen anderen Studien auf diesem Gebiet in erster Linie durch ihr breite Streuung und ihr branchenübergreifendes Design. Dieses Ziel wurde bei der Konzeption des zugrundeliegenden Fragebogens berücksichtigt, indem die Fragestellungen möglichst allgemein gehalten wurden; die Befragung verschiedener Branchen und Unternehmensgrößen erforderte dies ebenfalls.

Im Vordergrund dieser Studie stand nicht nur die ausschließliche Erhebung harter Daten und Fakten, sondern auch eine Sammlung von Meinungen, aktuellen Stimmungen, Trends und anderer, weicher Faktoren. Das Ergebnis ist eine interessante Momentaufnahme über die Relevanz, die dem Thema Umwelt von den befragten Unternehmen derzeit beigemessen wird.

Die Auswahl der Unternehmen aus der Grundgesamtheit erfolgte durch eine Quotenstichprobe. Es sollte sowohl das Verhältnis des Anteils der jeweiligen Branchen an der Gesamtwirtschaft wiedergegeben, als auch das Verhältnis von großen, mittleren und kleinen Unternehmen widergespiegelt werden. Als Quelle dienten hierfür die wirtschaftlichen Daten des statistischen Bundesamtes. Insgesamt wurden aus der Grundgesamtheit 268 Unternehmen, welche die Anforderungen der Stichprobe erfüllten, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Die "Rücklaufquote" erfüllte jedoch das angestrebte nicht mehr. Insgesamt konnten 120 Unternehmen für die Teilnahme an der Befragung gewonnen werden.

Bei der Auswahl der Interviewpartner wurde darauf Wert gelegt, ausschließlich die für Umweltschutz zuständigen Personen des jeweiligen Unternehmens zu befragen. Dies waren meist Leiter oder Mitarbeiter der Abteilung für Umwelt und/oder Sicherheit, der Umwelt- oder Sicherheitsbeauftragte sowie bei kleinen Unternehmen die Geschäftsleitung.

Aufbau des Fragebogens:

Der Fragebogen gliederte sich in fünf Teile, wobei diese jeweils sowohl offene als auch geschlossene Fragestellungen enthielten.

  1. Im ersten Teil wurden allgemeine Daten zum Unternehmen, wie Branchenzugehörigkeit und Mitarbeiterzahl festgestellt. Die Ergebnisse wurden bereits weiter oben in Verbindung mit der Erläuterung der Stichprobe dargestellt.
  2. Im zweiten Teil wurden Daten zur Einschätzung des Stellenwertes der Umweltthematik erhoben.
    Hierbei stand nicht nur eine Selbsteinschätzung des eigenen Unternehmens im Vordergrund des Interesses, vielmehr sollten auch branchenweite und gesellschaftspolitische Aussagen getroffen werden. Darüber hinaus beinhaltet dieser Komplex Fragen zum Handlungsbedarf auf dem Gebiet des betrieblichen Umweltschutzes.
  3. In Teil drei wurde hinterfragt auf welchem Stand sich der Umweltschutz im Unternehmen befindet. Der größte Teil dieses Fragenblocks wurde nur denjenigen Unternehmen präsentiert, welche die erste Frage dieses Fragenkomplexes ("Setzen Sie bei der Herstellung ihrer Produkte Umwelttechnologien ein?") mit "Ja" beantworteten.
    Bei den "Nein"-Antwortern wurde mit zwei Folgefragen zwar noch etwas genauer nach den Gründen nachgeforscht, jedoch wurde dann gleich mit dem vierten (politischen) Teil fortgefahren, da die restlichen Fragen des dritten Blocks für sie nicht relevant waren.
  4. Teil vier widmete sich der Politik. Hier sollte in erster Linie ermittelt werden, welchen Eindruck die Politik der neuen Bundesregierung, insbesondere die Umweltpolitik nach den ersten zehn Monaten hinterlassen hat.
    Auch die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen bisheriger Beschlüsse der alten Bundesregierung im Bereich Umwelt waren hier von Interesse.
  5. Schließlich erfolgte im fünften Teil ein Blick in die Zukunft, insbesondere hinsichtlich der Erwartungen der Befragten im Bezug auf Umweltschutzmaßnahmen.
    Dieser Fragekomplex wurde bewußt in offener Fragestellung gehalten, damit hier möglichst individuelle und unterschiedliche Aussagen und Stimmungen in das Meinungsbild einfließen konnten.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

  • Mehr als ein Viertel der Befragten schätzen den Stellenwert des Umweltschutzes in der Gesellschaft als "gering" oder "sehr gering" ein.
  • Interessanterweise schätzen fast die Hälfte aller Unternehmen aus der Branche Mikroelektronik/Elektrotechnik den Stellenwert des Umweltschutzes in Deutschland als "gering" ein. Dies ist ein signifikant höherer Anteil als in den anderen befragten Branchen.
  • Die Unternehmen schätzen ihr eigenes Umweltbewußtsein bedeutend höher ein, als dies einerseits für die Gesellschaft und andererseits für die eigene Branche der Fall ist. Das Phänomen der subjektiven Überschätzung wird dadurch bestätigt.
  • Überaus deutlich fällt die Aufschlüsselung nach Unternehmen aus. Großunternehmen schätzen sich deutlich am umweltbewußtesten ein.
  • Mehr als die Hälfte aller Befragten denkt, momentan das Notwendige im Bezug auf Umweltschutz getan zu haben und sieht somit keinen Handlungsbedarf mehr.
  • Nur innerhalb der Branche Chemie/Pharma/Biotech sehen noch mehr als die Hälfte der Befragten Handlungsbedarf auf dem Umweltschutzgebiet.
  • Was den Handlungsbedarf in Bezug auf Umweltschutz nach Unternehmensgrößen betrifft, so weichen die kleinen Unternehmen sehr stark von den großen und mittleren Unternehmen ab. Nur etwas mehr als ein Viertel sah hier Handlungsbedarf.
  • Der größte Teil der befragten Unternehmen, nämlich fast 85% setzt erwartungsgemäß bereits heute Umwelttechnologien ein.
  • Weit mehr als die Hälfte aller derjenigen, die im Augenblick noch keine Umwelttechnologien einsetzen, alten das auch in Zukunft nicht für notwendig.
  • Mit 93,1% aller Nennungen sind Umweltschutzmaßnahmen um den gesamten Themenkomplex Entsorgung am weitesten verbreitet.
  • Unternehmen, die für die Umweltthematik bereits sensibilisiert sind und über die Zusammenhänge Bescheid wissen, legen eine hohe Motivation an den Tag vorhandene Möglichkeiten der Umwelttechnik auszuschöpfen und mehr Gelder zu investieren.
  • Hauptgrund für den Nichteinsatz von Umwelttechnologien scheint das zu geringe Know-How bzw. die fehlende Sensibilisierung für die Umweltthematik zu sein. Ökonomische Argumente oder fehlende Förderungsmaßnahmen stehen dabei eher im Hintergrund.
  • Unternehmen des produzierenden Gewerbes, die momentan noch keine Umwelttechnologien einsetzten, halten dies auch in Zukunft nicht für notwendig.
  • Sehr viele Potentiale im Bezug auf umweltschonende Produktion sind vor allem bei den die Umwelt stark gefährdenden Branchen Chemie/Pharma/Biotech sowie Druck- und Papierindustrie ungenutzt.
  • Obwohl Kleinunternehmen noch am meisten Defizite bei der Umsetzung von umweltschonender Produktion haben, sehen sie aber auch gleichzeitig diesbezüglich den geringsten Handlungsbedarf im Vergleich zu Unternehmen mittlerer und großer Größe.
  • Gleich nach den Gesetzen und Verordnungen als Ursache für Umweltschutzaktivitäten im Unternehmen werden umweltorientierte Mitarbeiter am häufigsten als Motiv für die Umweltschutzaktivitäten eines Unternehmens genannt.
  • Als Ursache für Umweltschutzmaßnahmen spielen dagegen die Maßnahmen der Konkurrenz nur eine untergeordnete Rolle.
  • Für das Jahr 2000 planen fast ein Viertel der Befragten, das Budget für den Umweltschutz zu erhöhen. Bei etwa der Hälfte der Befragten bleibt es gleich hoch.
  • Die Mehrheit der Befragten gab an, daß die Ökosteuer bei ihnen keinen Einfluß habe, bzw. eine eher weniger starke Belastung darstelle.
  • Die stärkste Belastung durch die Ökosteuer mußte laut Befragung die Branche der Papierindustrie/Druckindustrie hinnehmen. Aber auch die Fahrzeugindustrie rechnet noch mit negativen Konsequenzen für ihre Branche.
  • Die umweltpolitischen Entscheidungen der neuen, rot/grünen Bundesregierung werden vom Großteil der Befragten als eher negativ angesehen. Insgesamt hätten sich die getroffenen Entscheidungen – nach eigener Einschätzung der befragten Unternehmen - am negativsten auf die Kleinunternehmer ausgewirkt.
  • Nach Branchen betrachtet, hat sich die neue Regierung am negativsten auf die Druck- und Papierindustrie ausgewirkt. Aber auch die Chemie/Pharma und Biotechnologie, eine Branche mit hohem Zukunftspotential, "leidet" nach eigenen Angaben unter den Entscheidungen der neuen Regierung.
  • Oftmals bemängelten die Befragten das im Bezug auf die Umweltpolitik der neuen Regierung "mehr Schein als Sein" vorliege. Es würde mehr geredet als tatsächlich getan.
  • Hinsichtlich der Folgen neuer Gesetzentwürfe trifft es nach eigener Einschätzung meist kleinere Unternehmen.
  • Dennoch empfinden die Mehrzahl der Unternehmen die Umweltpolitik der deutschen Regierung eher zu schwach als zu stark. Sehr oft wurde bemängelt, daß im Bezug auf die Umweltpolitik der Regierung mehr Schein als Sein vorherrsche.
  • Im Branchenvergleich sind es vor allem die Branchen Papierindustrie/Druckgewerbe sowie Chemie/Pharma/Biotech, welche die Umweltpolitik der rot/grünen Regierung mit ca. 20% als "zu stark" einschätzen, während bei Elektrotechnik/Mikroelektronik und Fahrzeugbau ca. 40% als "zu schwach" einschätzen.
  • Im Vergleich nach Unternehmensgrößen sind es vor allem die Großunternehmer, welche die Umweltpolitik häufiger als "zu schwach" einschätzen.
  • Bei einem Vergleich der Verteilung nach Unternehmensgrößen läßt sich eine Schieflage zu Lasten der kleineren Unternehmen erkennen. Diese sehen die Verwendung von Umwelttechnologien weit mehr als Belastung als dies bei den großen und mittleren Unternehmen der Fall ist.
  • Die neue Regierung zeigt sich gegenüber der Vergabe von Fördermitteln für den betrieblichen Umweltschutz nicht aufgeschlossener als dies bei der alten Regierung der Fall war.
  • Die Zuständigkeit für den Umweltschutz scheinen die meisten noch immer einzig und allein beim Staat zu sehen. Nur sehr wenige Umweltschmutzverursacher lassen unabhängig von den Gesetzen auch Eigeninitiative erkennen.
  • Viele Unternehmen haben den Eindruck, daß Deutschland im europäischen Vergleich eine enger geknüpfte Gesetzgebung hat. Mehr als die Hälfte sehen daraus für ihre Produkte auch Wettbewerbsnachteile innerhalb Europas.
  • Ein Viertel der Befragten wünscht, die bestehenden Gesetze besser zu überprüfen bzw. die Gesetzgebung zu verschärfen.
  • Dennoch sieht eine Mehrzahl in der Verwendung von Umwelttechnologien eine Chance. Bei der Begründung spielen ökonomische Gründe, wie Wettbewerbsvorteile, Kosteneinsparung, Erschließung neuer Märkte, technischer und technologischer Fortschritt eine Rolle.

Bezug der Studie:

Die Ergebnisse der Marktforschung sind als gebundenes Exemplar gegen eine Schutzgebühr von 99,00 € bei ULYSSES zu beziehen. Die Studie umfaßt 80 Seiten und beinhaltet außerdem 3 Tabellen sowie 48 Farbdiagramme. Im Bezugspreis sind bereits die Versandkosten enthalten, ebenso wie die gesetzliche Mehrwertssteuer von 7%.

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